{"id":217,"date":"2016-01-04T01:18:36","date_gmt":"2016-01-04T00:18:36","guid":{"rendered":"http:\/\/culturetranslations.de\/en\/?p=217"},"modified":"2016-01-04T01:18:36","modified_gmt":"2016-01-04T00:18:36","slug":"mehrere-wege-fuhren-zu-gott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.culturetranslations.de\/en\/mehrere-wege-fuhren-zu-gott\/","title":{"rendered":"\u201dMehrere Wege f\u00fchren zu Gott\u201d"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section admin_label=&#8221;section&#8221;][et_pb_row admin_label=&#8221;row&#8221;][et_pb_column type=&#8221;4_4&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8221;Text&#8221; background_layout=&#8221;light&#8221; text_orientation=&#8221;left&#8221; text_font_size=&#8221;14&#8243; use_border_color=&#8221;off&#8221; border_color=&#8221;#ffffff&#8221; border_style=&#8221;solid&#8221; custom_margin=&#8221;3px|3px|3px|3px&#8221;]<\/p>\n<p>Translation from French into German<\/p>\n<h5><strong>Interview mit dem libanesischen K\u00fcnstler Ghazi Kahwaji<\/strong><\/h5>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p>Der libanesische K\u00fcnstler und Schriftsteller Ghazi Kahwaji sieht in der Wiederbelebung des mediterranen Humanismus eine Grundlage f\u00fcr den interkulturellen Dialog zwischen den arabischen und europ\u00e4ischen Gesellschaften. Mit ihm sprach Aladdin Sarhan.<\/p>\n<div>\n<p><span id=\"more-135\"><\/span><span class=\"Apple-style-span\"><em>In Ihren Schriften betonen Sie stets Ihre mediterrane Herkunft. Warum?<\/em><\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>Ghazi Kahwaji:\u00a0Die Gegend um das Mittelmeer weist Merkmale auf, die sonst in keiner anderen Region der Erde zu finden sind. In dieser Region sind drei Hochkulturen und drei Religionen entstanden, die die Welt bis heute nachhaltig pr\u00e4gen. Die Weltreligionen begr\u00fcndeten ihrerseits drei gro\u00dfe Kulturen, die sich gegenseitig bereichert haben: die j\u00fcdische, die christliche und die islamische Kultur.<\/p>\n<p>Wir Menschen aus den mediterranen L\u00e4ndern k\u00f6nnen von uns behaupten, dass wir historisch einen gro\u00dfen Beitrag zur Zivilisation geleistet haben. Wenn wir aus einer historischen Perspektive auf den Mittelmeerraum schauen, von S\u00fcdeuropa \u00fcber \u00c4gypten bis hin zur libanesischen K\u00fcste, k\u00f6nnen wir einen hochentwickelten Kulturraum beobachten.<\/p>\n<p>Die V\u00f6lker der Mittelmeerl\u00e4nder verband etwas ganz Spezielles, obwohl jedes Land seine Besonderheiten hatte. Es gab einen starken Faden, der alle diese V\u00f6lker in ausgepr\u00e4gter Eigenheit zusammenhielt, w\u00e4hrend sie zugleich ihre Identit\u00e4t bewahrten. Die mediterrane Identit\u00e4t war vielf\u00e4ltig und diese Vielfalt war in einem Humanismus vereint. Ein Merkmal der l\u00e4nder\u00fcbergreifenden mediterranen Kultur war, dass sie humanistisch und um den Anderen willen existierte.<\/p>\n<p>\u200b\u200bIn den Mittelmeeranrainer-Staaten bem\u00fchte man sich darum, sowohl lokal als auch transnational zu wirken. Wie erreichen wir den Anderen? Das war die Frage, die die V\u00f6lker des Mittelmeers stets besch\u00e4ftigte. Heute m\u00fcssen wir uns andere Fragen stellen: Wie kann der Anschluss an den Anderen zur\u00fcckgewonnen werden? Wie stelle ich eine Verbindung zum europ\u00e4ischen Anderen her, ohne mich in ihm aufzul\u00f6sen und ohne mit ihm zu verschmelzen, so dass wir eine gewisse Distanz und Unabh\u00e4ngigkeit wahren k\u00f6nnen, aber gemeinsam zu einem einzigen Stern blicken, gemeinsam zu einem Licht? Das ist das, was gegenw\u00e4rtig gefordert ist.<\/p>\n<p><em>Muss diese humanistische Kultur nicht zuerst in dem eigenen Land wiederbelebt werden, bevor man sich dar\u00fcber Gedanken macht, wie der Anschluss an den Anderen zur\u00fcckgewonnen werden kann?<\/em><\/p>\n<p><strong>Kahwaji:<\/strong>\u00a0Das ist richtig. Streit und Konflikte werden niemals zur Wiederbelebung unserer humanistischen Tradition f\u00fchren. Vielmehr verleiten sie dazu, den Humanismus in Anti-Humanismus zu verwandeln \u2013 wie beispielsweise dieser furchtbare Konfessionsstreit, der den libanesischen B\u00fcrgerkrieg begleitet hat.<\/p>\n<p>Auf der Suche nach vermissten Familienangeh\u00f6rigen: Bis heute ist das Trauma des f\u00fcnfzehnj\u00e4hrigen B\u00fcrgerkriegs in den Kopfen der libanesischen Zivilbev\u00f6lkerung pr\u00e4sent. Nur langsam beginnt das Land sich seiner konfliktreichen Vergangenheit zu stellen.<\/p>\n<p>\u200b\u200bDie Libanesen haben sich gestritten \u2013 \u00fcber den Weg zu Gott, \u00fcber die richtige Abzweigung auf diesem oder jenem Weg, \u00fcber den richtigen Blickwinkel\u2026 und das alles nach unsinnigem und l\u00e4cherlichem Gerede \u00fcber die Zeit hinweg. Ich glaube, dass es mehrere Wege gibt, die zu Gott f\u00fchren, und nicht nur einen. Der Streit \u00fcber diese verschiedenen Wege wird allerdings niemals zu Gott f\u00fchren.<\/p>\n<p><em>Sie reagieren auf arabische und libanesische Trag\u00f6dien h\u00e4ufig mit sarkastischen Texten\u2026<\/em><\/p>\n<p><strong>Kahwaji:<\/strong>\u00a0Ich bin von Natur aus am ehesten ein Vertreter der Kom\u00f6die. Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass es viel besser ist, sich dem Anderen mit einem L\u00e4cheln zu n\u00e4hern, als mit Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p><em>Was ist der Grund daf\u00fcr, weshalb die meisten arabischen Schriftsteller zum Pessimismus tendieren?<\/em><\/p>\n<p><strong>Kahwaji:<\/strong>\u00a0Im Allgemeinen schreiben die Araber positiv \u00fcber ihr Land, ihr Volk, ihre Br\u00e4uche und Traditionen. Ich bin da genau das Gegenteil. Ich schreibe nichts au\u00dfer Negatives. Und ich werde wohl niemals etwas Positives schreiben \u00fcber das, was ich sehe. Denn ich bin davon \u00fcberzeugt, dass alles Positive zu den Selbstverst\u00e4ndlichkeiten z\u00e4hlt, \u00fcber die nicht geschrieben wird. Ich schreibe nicht \u00fcber das, was zu den Pflichten des B\u00fcrgers oder des Staats geh\u00f6rt. Ich sehe nur, was negativ ist. Ich dokumentiere es, schreibe dar\u00fcber und kritisiere es und schimpfe dar\u00fcber, und das bis auf die Knochen und immer in dem gleichen sarkastischen Stil.<\/p>\n<p><em>Die libanesische Kultur ist immer noch vom B\u00fcrgerkrieg der 1970er und 1980er Jahre gepr\u00e4gt. Haben die unz\u00e4hligen Werke, die w\u00e4hrend und nach dem Ende der milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen entstanden sind, dazu beigetragen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Kahwaji:<\/strong>\u00a0Aus dem Krieg geht keine Kultur hervor. Es gibt schlicht keine Kultur des Krieges. Kriege bringen nur Zerst\u00f6rung, sowohl materielle als auch immaterielle. Es gibt aber wohl etwas, was als \u201eKriegsliteratur\u201c bezeichnet wird. Aber ich bin davon \u00fcberzeugt, dass der Kreative nichts schaffen kann, solange er sich inmitten eines Kampfes befindet.<\/p>\n<p>Es muss einige Zeit vergehen, damit die Dinge reifen k\u00f6nnen und er objektiv schreiben kann. Ich nehme das zum Beispiel bei dem franz\u00f6sischen Schriftsteller Albert Camus oder bei Jean-Paul Sartre wahr. Beide haben \u00fcber Themen geschrieben, die im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg stehen. Dies geschah jedoch als dieser Krieg mehr als 30 Jahre zur\u00fccklag. Damit die Dinge klar werden und sich bemerkbar machen, kann derjenige, der schreibt, nicht direkt in den Krieg involviert sein.<\/p>\n<p>Es macht einen gro\u00dfen Unterschied, ob man die Geschichte dokumentiert, nachdem sie stattgefunden hat, oder ob man aus der Fantasie sch\u00f6pfend dar\u00fcber schreibt, w\u00e4hrend sie geschieht. Es gibt also einerseits Literatur, andererseits Dokumentation. Man kann auf der Basis der Dokumentation allerdings sch\u00f6pferisch Dichtung, Theaterst\u00fccke, Kurzgeschichten, Romane und so weiter schreiben.<\/p>\n<p>\u200b\u200bDer libanesische B\u00fcrgerkrieg hat insgesamt nur magere Produkte hervorgebracht. Gro\u00dfe literarische Werke hat es nicht gegeben. Es stimmt, dass viele Libanesen \u00fcber den B\u00fcrgerkrieg geschrieben haben, aber sie lebten damals in der Diaspora. Derjenige, der von au\u00dferhalb schreibt, bedient sich seiner Fantasie, einiger Dokumente und schreibt mithilfe von Filmen, Nachrichten und anhand einiger Trag\u00f6dien, die sich abgespielt haben. Aber meiner Meinung nach haben nur ganz wenige den Punkt erreicht, an dem sie sch\u00f6pferisch gestalten konnten.<\/p>\n<p><em>Es gibt aber durchaus ber\u00fchmte Theaterst\u00fccke \u00fcber den libanesischen B\u00fcrgerkrieg, die in den 1970er und 1980er Jahren verfasst wurden.<\/em><\/p>\n<p><strong>Kahwaji:<\/strong>\u00a0Jedes Theater, das w\u00e4hrend des Krieges im Libanon entwickelt wurde, ist heute in Vergessenheit geraten. Denn das alles waren sehr unreife Gedanken, die \u00fcberhaupt nicht \u00fcberdauert haben, \u00fcber die 15 (Kriegs-)Jahre hinweg. Gerade die Theaterkunst ben\u00f6tigt Sicherheit, um sich pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen. Ich habe den Krieg in all seinen Einzelheiten erlebt, und zwar sowohl im Libanon als auch vom Ausland aus.<\/p>\n<p>In dieser Zeit war ich der k\u00fcnstlerische Generalintendant f\u00fcr die Werke der Rahbani-Br\u00fcder und Fairuz. Ich habe an allen Werken mitgearbeitet, die sie im Libanon, in Jordanien, Syrien, England, Frankreich, Nordafrika und \u00c4gypten aufgef\u00fchrt haben, nat\u00fcrlich neben der kontinuierlichen Pr\u00e4senz im Libanon. Das, was die Rahbani-Br\u00fcder in dieser Zeit produziert haben, wie die Theaterst\u00fccke Petra, Lulu, Mais ar-Rim und weitere Arbeiten wie \u201cdie Verschw\u00f6rung\u201d, neben den Konzerten, die sie gegeben haben, wie die Rezitale (solistische Konzertvortr\u00e4ge) mit der Gruppe um Fairuz, all diese Werke waren meiner Meinung nach lediglich wichtige Formen des Protestes gegen den B\u00fcrgerkrieg.<\/p>\n<p><em>Interview: Aladdin Sarhan<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a9 <span class=\"skimlinks-unlinked\">Qantara.de<\/span> 2013<\/em><\/p>\n<p><em>Ghazi Kahwaji, geboren 1945 in Sur (Tyrus), wirkte drei Jahrzehnte lang als B\u00fchnenbildner im Rahbanis Theater mit und war somit ein enger Mitarbeiter der libanesischen Ikone und S\u00e4ngerin Fairuz. Seine sarkastische Kritik an Konfessionalismus, Fundamentalismus, Korruption und sozialer Ungerechtigkeit im arabischen Raum ver\u00f6ffentlichte er zwischen 2008 und 2010 in der dreib\u00e4ndigen Reihe \u201cKahwajiyat\u201d.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzt aus dem Franz\u00f6sischen von Julie Schwannecke<\/em><\/p>\n<p><em>Redaktion: Arian Fariborz\/<span class=\"skimlinks-unlinked\">Qantara.de<\/span><\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/images.google.de\/imgres?q=Julie+schwannecke&amp;start=100&amp;rls=en&amp;bih=603&amp;biw=1344&amp;tbm=isch&amp;tbnid=HK8JRUVrmlPL0M:&amp;imgrefurl=http:\/\/de.qantara.de\/dossier\/dialog-der-religionen&amp;docid=YUql4xtzZ5S5TM&amp;imgurl=http:\/\/de.qantara.de\/sites\/default\/files\/styles\/teaser\/public\/uploads\/2013\/06\/19\/der-libanesische-k-nstler-und-schriftsteller-ghazi-kahwaji.jpg%253Fitok%253DUrXtnUTX&amp;w=300&amp;h=169&amp;ei=FE4yUoaDLYvHsgaw-IF4&amp;zoom=1&amp;iact=hc&amp;page=5&amp;tbnh=135&amp;tbnw=220&amp;ndsp=25&amp;ved=1t:429,r:18,s:100,i:58\">Please find the original here<\/a><\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Translation from French into German Interview mit dem libanesischen K\u00fcnstler Ghazi Kahwaji &nbsp; Der libanesische K\u00fcnstler und Schriftsteller Ghazi Kahwaji sieht in der Wiederbelebung des mediterranen Humanismus eine Grundlage f\u00fcr den interkulturellen Dialog zwischen den arabischen und europ\u00e4ischen Gesellschaften. 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