{"id":203,"date":"2016-01-04T00:57:18","date_gmt":"2016-01-03T23:57:18","guid":{"rendered":"http:\/\/culturetranslations.de\/en\/?p=203"},"modified":"2016-01-04T00:57:18","modified_gmt":"2016-01-03T23:57:18","slug":"bruckenbauer-der-verstandigung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.culturetranslations.de\/en\/bruckenbauer-der-verstandigung\/","title":{"rendered":"Br\u00fcckenbauer der Verst\u00e4ndigung"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section admin_label=&#8221;section&#8221;][et_pb_row admin_label=&#8221;row&#8221;][et_pb_column type=&#8221;4_4&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8221;Text&#8221; background_layout=&#8221;light&#8221; text_orientation=&#8221;left&#8221; text_font_size=&#8221;14&#8243; use_border_color=&#8221;off&#8221; border_color=&#8221;#ffffff&#8221; border_style=&#8221;solid&#8221;]<\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<h5><strong>Sprach- und Integrationsmittler<\/strong><\/h5>\n<div class=\"field field-name-body-summary field-type-ds field-label-hidden\">\n<div class=\"field-items\">\n<div class=\"field-item even\"><\/div>\n<div class=\"field-item even\"><em>Mit der wachsenden Zahl an Menschen mit Migrationshintergrund steigt auch der Bedarf an ausgebildeten Fachkr\u00e4ften, die Zuwanderern die Integration erleichtern sollen. Wie wird man zum Sprach- und Integrationsmittler? Worin unterscheidet sich diese T\u00e4tigkeit vom Beruf des gew\u00f6hnlichen Dolmetschers? Einblicke von Julie Schwannecke. \u00a0<\/em><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"field-item even\"><\/div>\n<div class=\"field-item even\"><\/div>\n<div class=\"entry-content\">\n<div class=\"field field-name-body-summary field-type-ds field-label-hidden\">\n<div class=\"field-items\">\n<div class=\"field-item even\"><\/div>\n<div class=\"field-item even\">Ein Sprach- und Integrationsmittler aus Bonn, der seinen Namen nicht nennen m\u00f6chte, begleitete einmal eine Frau aus dem Irak zum Arzt. Sie war im sechsten Monat schwanger und wollte abtreiben. Die Frau sprach kein Deutsch, deshalb sollte der Sprachmittler zwischen ihr und dem Arzt dolmetschen. Der Arzt wollte wissen, warum die Frau abtreiben wollte. Der Mittler wusste wegen seiner eigenen marokkanischen Herkunft und seiner Erfahrung sofort, dass er diese Frage behutsam stellen musste. Schlie\u00dflich sei die Frau aus dem Irak nicht daran gew\u00f6hnt, von einem europ\u00e4ischen und dazu m\u00e4nnlichen Arzt behandelt zu werden, erkl\u00e4rt er. Jeder Frau sei diese Situation unangenehm. Aber durch wegen der fremden Sprache und Kultur h\u00e4tten Frauen aus dem arabischen Raum noch mehr Hemmungen, mit dem Arzt \u00fcber intime Angelegenheiten zu sprechen.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\u201cIn Situationen wie diesen f\u00fchlt man sich als Arzt oder Krankenpfleger oft \u00fcberfordert, weil man manchmal die Verhaltensweisen von ausl\u00e4ndischen Patienten nicht versteht oder falsch deutet und meist auch eine Sprachbarriere vorliegt\u201c, meint Omid Sekandary, ein junger Arzt aus Bonn. Deshalb falle es ihm und seinen Kollegen oft nicht leicht, die Patienten angemessen zu beraten und zu therapieren. Wegen der gegenseitigen Unkenntnis von Sprache, Mentalit\u00e4t, Kultur oder Religion komme es leicht zu Missverst\u00e4ndnissen, die in ung\u00fcnstigen F\u00e4llen zu Fehldiagnosen oder gar zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands des Patienten f\u00fchren k\u00f6nnten.<\/p>\n<div class=\"content-body clearfix\">\n<p><strong>Sprachmittler statt Laiendolmetscher<\/strong><\/p>\n<p>Wenn die Fachkr\u00e4fte nicht weiterkommen, rufen sie oft einen Familienangeh\u00f6rigen, einen anderen Arzt oder eine Pflege- oder Putzkraft, die dann f\u00fcr die Patienten dolmetscht. Der Einsatz so genannter Laiendolmetscher bringe allerdings oft mehr Nachteile als Vorteile, meint Sinan Cem \u00d6zt\u00fcrk, ein Sprach- und Integrationsmittler aus Bonn. Wegen des kulturbedingten Schamgef\u00fchls, der emotionalen Belastung von Angeh\u00f6rigen oder mangelndem medizinischem Fachwissen w\u00fcrden Informationen falsch und unvollst\u00e4ndig \u00fcbersetzt. Anstatt die Kommunikation zu erleichtern, w\u00fcrden sie diese in vielen F\u00e4llen nur zus\u00e4tzlich hemmen.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine erfolgreiche Behandlung oder Beratung sei jedoch eine gute Kommunikation zwischen den Migranten und Fachkr\u00e4ften grundlegend. Es bed\u00fcrfe daher einer professionellen Fachkraft, die emotional unbeteiligt ist und das entsprechende Wissen mitbringt, um die Information vollst\u00e4ndig, kultursensibel, fachspezifisch und transparent zu vermitteln: den sogenannten Sprach- und Integrationsmittler. Dieser k\u00f6nne dabei helfen, Verst\u00e4ndigungsbarrieren zu \u00fcberwinden und sowohl die Migranten als auch die Fachkraft entlasten.<\/p>\n<p><strong>Entstehung eines neuen Berufs<\/strong><\/p>\n<p>Wie wird man Sprach- und Integrationsmittler? Sinan hat in der T\u00fcrkei ein Soziologiestudium absolviert, das auch in Deutschland anerkannt wurde. Jahrelang hat er Freunde und Bekannte zu ihren Terminen bei Sozial\u00e4mtern und Beh\u00f6rden begleitet. Daher wusste er, dass er in diesem Bereich t\u00e4tig werden wollte. Schlie\u00dflich erfuhr er von einer Fortbildung zum Sprach- und Integrationsmittler, die von der Internationalen Gesellschaft f\u00fcr Bildung, Kultur und Partizipation in K\u00f6ln GmbH (bikup) angeboten wird.<\/p>\n<p>Ein Jahr lang wurde er dort mit anderen Teilnehmern in den Bereichen Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen und der soziokulturellen Kommunikation und Konfliktl\u00f6sung geschult. Die Fortbildung besteht aus neun Monaten Theorie und drei Monaten Praxis. Danach haben die Teilnehmer die M\u00f6glichkeit, entweder freiberuflich oder in fester Anstellung zu arbeiten. Die meisten Arbeitseins\u00e4tze hat Sinan derzeit im psychiatrischen Bereich.<\/p>\n<p>Die offizielle Berufsbezeichnung des Sprach- und Integrationsmittlers wurde 2002 infolge eines durch die EU gef\u00f6rderten Projekts zur Arbeitsmarktintegration von Fl\u00fcchtlingen ins Leben gerufen. \u201eDie Idee bestand darin, Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus in Deutschland so fortzubilden, dass sie eine reale Chance auf dem deutschen Arbeitsmarkt bekommen\u201c, erkl\u00e4rt die Initiatorin dieses Projekts, Varinia Morales, die Leiterin von bikup.<\/p>\n<p>Man suchte damals nach einer Qualifizierung, die speziell auf die Zielgruppe der Fl\u00fcchtlinge ausgerichtet war und nicht in Konkurrenz zu einer Qualifizierung f\u00fcr Deutsche stand. Au\u00dferdem fragten sich die Projektinitiatoren: Welche besonderen Kompetenzen bringt ein Fl\u00fcchtling oder Migrant mit, die ein deutscher Einheimischer nicht haben kann? Die Antwort war: seine eigene Mentalit\u00e4t, seine Sprache und Kultur. Diese Eigenschaften sollten in den Beruf des Sprach- und Integrationsmittlers einflie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Gegenseitiges Verst\u00e4ndnis wecken<\/strong><\/p>\n<p>Was m\u00fcssen Sprach- und Integrationsmittler sonst noch k\u00f6nnen und wissen? Zum einen gelten die allgemeinen Berufspflichten wie Verschwiegenheit, Neutralit\u00e4t, professionelles Auftreten, Verl\u00e4sslichkeit und Gewissenhaftigkeit, erl\u00e4utert Sinan. Gerade im Umgang mit verschiedenen Sprachen und Kulturen seien soziale, kommunikative und interkulturelle Kompetenzen, die Bereitschaft sich zu \u00f6ffnen sowie die F\u00e4higkeit, transparente Gespr\u00e4che zu f\u00fchren, besonders wichtig.<\/p>\n<div class=\"media media-element-container media-large image-left\">\n<div class=\"field field-name-field-file-image-caption-text field-type-text field-label-hidden\">\n<div class=\"field-items\">\n<div class=\"field-item even\">(Bildtext) \u00dcber den Sprachmittlerpool NRW k\u00f6nnen Einrichtungen aus dem Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen Kontakt mit einem Sprach- und Integrationsmittler aufnehmen. Dort stehen derzeit mehr als 190 kultursensible Dolmetscher aus Nordrhein-Westfalen zur Verf\u00fcgung, die \u00fcber 80 verschiedene Sprachen und Dialekten sprechen.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Dabei solle einem aber bewusst sein, dass es nicht nur ums Dolmetschen geht, sondern vor allem darum, kultursensibel zu vermitteln. Wie das geht? Zun\u00e4chst ist es Sinan wichtig, durch gegenseitiges Kennenlernen das Vertrauen zwischen dem Migranten und der Fachkraft herzustellen. Sobald es eine Vertrauensbasis gebe, falle es dem Migranten oder Fl\u00fcchtling leichter, \u00fcber seine Probleme zu sprechen. Und nat\u00fcrlich sei es einfacher, sich zu \u00f6ffnen, wenn jemand dabei ist, der dieselbe Sprache spricht und aus demselben Kulturkreis stammt. \u201eLetztendlich versuchen wir nur eine Br\u00fccke zwischen den Migranten und Fachkr\u00e4ften zu bauen und beide Seiten f\u00fcr die jeweilige Kultur des anderen zu sensibilisieren, nicht mehr und nicht weniger.\u201c<\/p>\n<p><strong>Leichtere Integration<\/strong><\/p>\n<p>Sinan ist der Meinung, dass der Beruf des Sprach- und Integrationsmittlers in Zukunft noch st\u00e4rker gefragt sein wird. Schlie\u00dflich sei es endlich an der Zeit, dass Deutschland, das sich seit Anfang 2000 offiziell als Einwanderungsgesellschaft bezeichnet, diese auch aktiv gestalte. Angesichts der aktuellen Ereignisse in der internationalen Politik seien gerade in j\u00fcngster Zeit viele Menschen als Fl\u00fcchtlinge oder Asylsuchende nach Deutschland gekommen, die auch vorh\u00e4tten, langfristig zu bleiben. Deshalb sei es besonders wichtig, diesen Menschen einen leichteren Zugang zur medizinischen und sozialen Versorgung sowie zu den gesellschaftlichen Strukturen allgemein zu erm\u00f6glichen, um ihre Integration zu erleichtern.<\/p>\n<p>Wenn diese Menschen erst einmal erkennen w\u00fcrden, dass sie hier Chancen und Entwicklungsm\u00f6glichkeiten haben, seien sie auch eher bereit und motiviert, sich zu integrieren. Allerdings m\u00fcsse auch ihnen bewusst sein, dass sie sich selbst bem\u00fchen sollten, sich in die Gesellschaft einzubringen. Nur wenn beide Seiten mitarbeiten und Interesse zeigen, k\u00f6nne Integration gelingen, meint Sinan.<\/p>\n<p><em>Julie Schwannecke<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a9 <span class=\"skimlinks-unlinked\">Qantara.de<\/span> 2015<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"https:\/\/de.qantara.de\/inhalt\/sprach-und-integrationsmittler-brueckenbauer-der-verstaendigung\">Read the original here.<\/a><\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sprach- und Integrationsmittler Mit der wachsenden Zahl an Menschen mit Migrationshintergrund steigt auch der Bedarf an ausgebildeten Fachkr\u00e4ften, die Zuwanderern die Integration erleichtern sollen. Wie wird man zum Sprach- und Integrationsmittler? Worin unterscheidet sich diese T\u00e4tigkeit vom Beruf des gew\u00f6hnlichen Dolmetschers? 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