{"id":1439,"date":"2016-01-04T00:53:05","date_gmt":"2016-01-03T23:53:05","guid":{"rendered":"http:\/\/culturetranslations.de\/en\/?p=198"},"modified":"2016-01-04T00:53:05","modified_gmt":"2016-01-03T23:53:05","slug":"uber-grenzen-hinweg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.culturetranslations.de\/en\/uber-grenzen-hinweg\/","title":{"rendered":"\u00dcber Grenzen hinweg"},"content":{"rendered":"<p>[et_pb_section admin_label=&#8221;section&#8221;][et_pb_row admin_label=&#8221;row&#8221;][et_pb_column type=&#8221;4_4&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8221;Text&#8221; background_layout=&#8221;light&#8221; text_orientation=&#8221;left&#8221; text_font_size=&#8221;14&#8243; use_border_color=&#8221;off&#8221; border_color=&#8221;#ffffff&#8221; border_style=&#8221;solid&#8221;]<\/p>\n<h5><strong><span class=\"Apple-style-span\">Free Pen Verlag<\/span><\/strong><\/h5>\n<div class=\"field field-name-body-summary field-type-ds field-label-hidden\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Mit seiner Arbeit setzt sich der Bonner Free Pen Verlag f\u00fcr den Dialog zwischen den Kulturen und Religionen ein und f\u00f6rdert die migrantische Literatur in Deutschland. Im Gespr\u00e4ch mit Julie Schwannecke berichten Autoren des Verlags \u00fcber die Faszination des Schreibens und die Rolle der Literatur f\u00fcr den Kulturdialog.\u00a0<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"field field-name-body-summary field-type-ds field-label-hidden\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kann denn ein Deutscher ein Gedicht verstehen, das jemand in Syrien verfasst hat ohne die Kultur des Dichters zu kennen? \u201cSelbstverst\u00e4ndlich\u201d, meint der kurdische Schriftsteller Hussein Habasch, der schon seit mehreren Jahren in Bonn mit dem Free Pen Verlag zusammenarbeitet. \u201cDie Gedichte sind doch f\u00fcr alle geschrieben: es geht darin ja meistens um menschliche Bed\u00fcrfnisse, Erfahrungen und Gef\u00fchle wie Angst, Liebe und Hoffnung, die ja jeder kennt, egal woher man kommt!\u201d<\/p>\n<\/div>\n<p>Dass Literatur sich an alle Menschen richtet und f\u00fcr jeden zug\u00e4nglich sein sollte, finden auch die Verleger des Bonner Free Pen Verlags. Der Verlag wurde 2001 von H\u0131d\u0131r \u00c7elik und Udo Steinmetz ins Leben gerufen mit dem Ziel, Migrationsliteratur zu f\u00f6rdern und dabei Autoren eine Plattform zum Thema Migration anzubieten.<\/p>\n<p>Wie der Name \u201cFree Pen\u201d oder \u201cFreie Feder\u201d bereits ank\u00fcndigt, setzt sich der Verlag auch f\u00fcr die Presse- und Meinungsfreiheit ein: politisch verfolgte Schriftsteller sollen die Chance erhalten, ihre Werke in Deutschland zu ver\u00f6ffentlichen, wenn ihnen dies aufgrund der politischen Lage in ihren eigenen L\u00e4ndern nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><strong>Eigene und fremde Kulturen im Fokus<\/strong><\/p>\n<p>Mittlerweile hat sich das Verlagsprofil erweitert: Internationale Autoren verschiedener Nationalit\u00e4ten und Kulturkreise, aber auch einheimische Autoren und K\u00fcnstler aus Bonn publizieren dort ihre Werke in den Bereichen der Belletristik, Wissenschaft, der mehrsprachigen Literatur oder Kunst. Viele Autoren haben eins gemeinsam: Sie befassen sich in ihren Werken mit der eigenen und fremden Kultur, dem interkulturellen Zusammenleben sowie mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Ereignissen.<\/p>\n<div class=\"field field-name-field-file-image-caption-text field-type-text field-label-hidden\">\n<div class=\"field-items\">\n<div class=\"field-item even\">Literatur richtet sich an alle Menschen. Daher sollte sie auch f\u00fcr jeden zug\u00e4nglich sein, meinen die Verleger des Bonner Free Pen Verlags. Der Verlag wurde 2001 von H\u0131d\u0131r \u00c7elik und Udo Steinmetz ins Leben gerufen. Ihr gemeinsames Ziel: Migrationsliteratur zu f\u00f6rdern und dabei Autoren eine Plattform zum Thema Migration anzubieten.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Der Verlag m\u00f6chte damit die kritische Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Geschehnissen im In- und Ausland und den interkulturellen und interreligi\u00f6sen Dialog im Bereich der Literatur ansto\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Literatur sei vor allem ein Spiegel unserer Gesellschaft, mit deren Hilfe gesellschaftliche oder soziale Probleme zum Ausdruck gebracht und bearbeitet werden k\u00f6nnten, meint Verlagsleiter \u00c7elik. Deshalb wolle der Verlag gerade auch j\u00fcngere Autoren und K\u00fcnstler einbeziehen, da sie die Zukunft unserer heutigen Gesellschaft darstellten und ma\u00dfgeblich zu ihrer Entwicklung beitragen k\u00f6nnten, so \u00c7elik.<\/p>\n<p>Erst vor kurzem wurden Arbeiten des jungen Comic-Zeichners Alpan Yalciner im Rahmen einer Ausstellung pr\u00e4sentiert worden, der in seinen Bildern zu den Themen Migration, soziale Armut und Umweltverschmutzung Position bezieht.<\/p>\n<p><strong>Die Lebendigkeit von Sprache und Kultur erhalten<\/strong><\/p>\n<p>Seit 1984 lebt der kurdischst\u00e4mmige Autor Hussein Habasch aus Syrien in Bonn, wo er Gedichte auf Kurdisch und Arabisch schreibt und aus sieben Sprachen ins Kurdische \u00fcbersetzt. Sein letzter Gedichtband \u201cSchreiben auf dem Gesicht der Zeit\/Niv\u00ees liser r\u00fby\u00ea dem\u00ea\u201d ist 2013 beim Free Pen Verlag auf Deutsch und Kurdisch erschienen.<\/p>\n<p>Sein erstes Gedicht schrieb Habasch im Alter von 14 Jahren. 40 Jahre sp\u00e4ter kann er sich noch gut daran erinnern, wie er damals in seiner Schule im syrischen Afrin vor der Klasse stand und sein ironisches Gedicht \u00fcber einen Lehrer auf Kurdisch und Arabisch vortrug. Das Gedicht kam bei den Mitsch\u00fclern gut an und sie ermutigten ihn weiterzumachen. Von da an pr\u00e4sentierte er ihnen regelm\u00e4\u00dfig seine neuesten Gedichte.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst schrieb Habasch auf Arabisch und Kurdisch, obwohl Kurdisch in Syrien verboten war. Weder durfte man auf Kurdisch schreiben, noch gab es Kurdisch-Unterricht oder kurdische B\u00fccher. Kurdisch sprach man damals nur in der Familie oder unter Freunden. Doch irgendwann entschied er: \u201cIch bin doch Kurde, also muss ich auch auf Kurdisch schreiben k\u00f6nnen.\u201d Schlie\u00dflich sollten seine Familie und Bekannte verstehen, was er schrieb. Vielleicht schreibt er gerade deshalb heute noch am liebsten in seiner Muttersprache.<\/p>\n<p>Seit etwa drei Jahren \u00fcbersetzt der Autor avestische und parthische Lyrik ins Kurdische und Deutsche. Es handelt sich dabei um bereits ausgestorbene Sprachen, die mit den heutigen kurdischen Sprachen verwandt sind. Es fasziniere ihn, mit sch\u00f6nen und lyrischen Sprachen wie diesen zu arbeiten und dazu beitragen zu k\u00f6nnen, dass Sprache und Kultur lebendig bleiben.<\/p>\n<p>Welche Bedeutung habe die Literatur heutzutage f\u00fcr die Menschen und f\u00fcr den Kulturdialog? Ein Leben ohne B\u00fccher ist f\u00fcr Habasch nicht vorstellbar. Was w\u00e4re die Menschheit ohne die literarischen Werke wie von Cervantes oder Dante? Ihr Werk habe die Menschen \u00fcber Generationen begleitet und inspiriert, denn sie h\u00e4tten es geschafft, die Bed\u00fcrfnisse der Menschen zu erkennen und zu zeigen.<\/p>\n<p>Die Zugeh\u00f6rigkeit zur Menschheit ist das h\u00f6chste Ziel der Literatur und Kunst, die \u00fcber alle nationalen Grenzen hinausgeht, meint Habasch. Und es sei die Aufgabe des Schriftstellers, die Zeit in der er oder sie lebt, zu sp\u00fcren und seine Mitmenschen an dem Erlebten teilhaben zu lassen.<\/p>\n<p><strong>Schreiben erfordert Zivilcourage<\/strong><\/p>\n<p>Nicht immer f\u00e4llt einem das Schreiben leicht, insbesondere wenn man von sehr komplexen oder pers\u00f6nlichen Dingen berichtet. Das Schreiben erfordert auch Mut \u2013 verdeutlicht die Autorin Emine Balfi mit ihrer Autobiographie \u201cMaulbeerstock und Minirock. Memoiren einer untypischen Gastarbeiterin\u201d, die im November letzten Jahres im Free Pen Verlag erschienen ist.<\/p>\n<p>Die Autorin ist in Adana, im S\u00fcden der T\u00fcrkei, aufgewachsen und kam 1966 als eine der ersten Gastarbeiterinnen nach Deutschland. Heute lebt sie in Remagen, wo sie sich als Mitglied des Beirates f\u00fcr Migration nun selbst der Integrationsarbeit widmet. Schon seit Langem sei es ihr Wunsch gewesen, ein eigenes Buch mit den Erlebnissen aus ihrer Jugendzeit in der T\u00fcrkei und der Zeit nach ihrer Einreise in Deutschland zu verfassen. Doch aus Angst, ihre Mutter oder ihren Ex-Ehemann zu verletzen, dauerte es noch eine ganze Weile bis sie den Schritt dennoch wagt.<\/p>\n<p>In ihrer Autobiographie enth\u00fcllt sie schlie\u00dflich die Geschichte einer jungen T\u00fcrkin, die es trotz aller Dem\u00fctigungen durch ihre eigene Familie und ihres Ehemanns schafft, sich ihren eigenen Weg zu bahnen und in Deutschland eine Existenz aufzubauen.<\/p>\n<p>Sie berichtet vom Lebensalltag der Gastarbeiter in Deutschland, einem Leben zwischen Deutschland und der T\u00fcrkei, den Herausforderungen, sich in einem fremden Land zurechtzufinden sowie von den Problemen mit den eigenen Landsleuten. Es ist die Geschichte einer verlorenen Kindheit und gleichzeitig, die eines Kampfes um die eigene W\u00fcrde und Emanzipation. Das Buch reflektiert auf eindrucksvolle Weise die Entwicklung einer Person und einer ganzen Generation.<\/p>\n<p>Die Botschaft, die Emine Balfi ihren Lesern mitteilen will, ist unmissverst\u00e4ndlich: \u201cIch m\u00f6chte besonders junge Menschen dazu ermutigen, ihren eigenen Weg zu finden und sich kein Leben aufzwingen zu lassen, das ihnen nicht entspricht \u2013 mit allem geb\u00fchrenden Respekt den anderen Menschen und deren Entscheidungen gegen\u00fcber.\u201d<\/p>\n<p><em>Julie Schwannecke<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a9 <span class=\"skimlinks-unlinked\">Qantara.de<\/span> 2015<\/em><\/p>\n<p>[\/et_pb_text][\/et_pb_column][\/et_pb_row][\/et_pb_section]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Free Pen Verlag &nbsp; Mit seiner Arbeit setzt sich der Bonner Free Pen Verlag f\u00fcr den Dialog zwischen den Kulturen und Religionen ein und f\u00f6rdert die migrantische Literatur in Deutschland. 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